US-Zollpolitik – komplexe asiatische Kapitalmärkte – Renditechancen

US-Zollpolitik – komplexe asiatische Kapitalmärkte – Renditechancen

von Dr. Anette Walker Event

Erstmals haben die USA und China Mitte Mai auf ranghoher Ebene im festgefahrenen Zollstreit miteinander verhandelt und beschlossen, einen Großteil ihrer gegenseitigen Importzölle für 90 Tage auszusetzen. Ob dieses Treffen einen dauerhaften Durchbruch bringt oder morgen schon wieder Geschichte sein wird, ist noch offen. Wie die Erfahrung zeigt, kann Trump den Zoll-Hebel genauso schnell wieder umlegen – mit Folgen unter anderem für das globale Wirtschaftswachstum, die Inflation und globale Lieferketten.

Ob die sich die chaotische Handelspolitik fortsetzen und zu weiteren Verwerfungen führen wird oder wir derzeit nur die Drohkulisse von Deal-Makern erleben, stand auch im Zentrum des FAROS Asia Day. An dieser Fachtagung diskutierten 30 institutionelle Investoren, die rund 100 Milliarden Euro an Anlagevermögen vertreten, zusammen mit China-Experten die geopolitischen und makroökonomischen Entwicklungen sowie die Folgen für die Asien-Allokationen in Portfolios.

Nach einem Tag mit Vorträgen renommierter Volkswirte und Anlagestrategen resümiert Uwe Rieken, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von FAROS: „Es ist naturgemäß problematisch, wenn ein großes Land wie China auch durch staatlichen Protektionismus einen wachsenden Handelsbilanzüberschuss erwirtschaftet. Dennoch können Anleger zuversichtlich sein, dass im derzeitigen Powerplay die Vernunft früher oder später die Oberhand gewinnt. Die Politik kann nicht unbegrenzt gegen die Märkte agieren.“

Entsprechend könnten Anleger relativ zuversichtlich auf die Konjunkturentwicklung blicken. Für China, das sein Bruttoinlandsprodukt auf Sicht der nächsten 20 Jahre verdoppeln und klar zur größten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen sollte, besteht durchaus ein Trend zur Stabilisierung sowie zu mehr Zuverlässigkeit in den Prognosen der Regierung, was auch für Investoren mehr Erwartungssicherheit bringen sollte. Trotz der sich abschwächenden Wachstumsperspektiven auf rund 4 Prozent in diesem Jahr entwickele sich Chinas Wirtschaft immer noch gut. Das Land verfüge über viele sehr gut ausgebildete Menschen, eine moderne Infrastruktur und eine außerordentliche technologische Innovationskraft. Gerade am Beispiel Technologie – China hat bis vor kurzem noch keine Chips produziert – könne man sehen, wie strategisch und entschieden die Politik und die Industrie agierten. Auch angetrieben von US-Exportbeschränkungen ist das Land heute in der Lage, eine Vielzahl von Halbleitern und Chipausrüstung herzustellen. China könnte also durchaus in der Lage sein, wie in der Vergangenheit, gestärkt aus den Handelsbeschränkungen hervorzugehen.

Auch auf der finanziellen Ebene hat China bereits vor Jahren begonnen, seine Unabhängigkeit zu stärken. Der Abbau von US-Treasuries sowie die Etablierung der chinesischen Währung als Handels- und Transferwährung sind einige der Maßnahmen. Insgesamt sehe sich China den USA überlegen an. Die USA demontiere sich aus chinesischer Sicht selbst und Trump sei Ausdruck dieser Selbstdemontage, so Prof. Dr. Sebastian Heilmann, Inhaber des Lehrstuhls für Politik und Wirtschaft Chinas an der Universität Trier. Heilmann zufolge sind die Lieferungen chinesischer Waren nach Ankündigung der Zölle auf chinesische Importe in Höhe von 145 Prozent fast vollständig zum Erliegen gekommen, was in den USA zu Engpässen bei vielen Gütern führen könne.

Zwar wurden die China-Zölle am 12. Mai für 90 Tage wieder auf rund 30 Prozent reduziert, dies könne aber die zuvor stornierten Lieferungen nur mit Verzögerung ersetzen. Vielleicht hat diese Erkenntnis Trump nun veranlasst, gegenzusteuern. Trotz des strategischen Vorgehens und des langen Atems gibt es in China allerdings auch Probleme. Neben dem langfristigen Druck infolge der demografischen Entwicklung fehle es an Vertrauen in die Regierungspolitik, was sich in hohen Sparquoten und dem Zusammenbruch am Immobilienmarkt niederschlage, zudem sei die Jugendarbeitslosigkeit mit rund 20 Prozent sehr hoch, erklärt Rudolf Scharping, Ministerpräsident und Verteidigungsminister a.D. sowie Gründer und Vorstand der Strategieberatung RSBK AG.

Und was bedeutet all dies für institutionelle Investoren? Infolge der neuen geopolitischen Realitäten könnten Investoren Allokationen in US-Dollar-Anlagen zurückfahren – gerade, wenn Zweifel an der US-Schuldentragfähigkeit steigen, der US-Dollar weiter unter Druck gesetzt wird oder Trump versucht, die Glaubwürdigkeit der FED herabzusetzen. Asien-Allokationen könnten in der Folge einen größeren Raum einnehmen, so Uwe Rieken. Die Region sei spannend und entwickele sich extrem dynamisch. Aber: Asien sei nicht gleich Asien. Man müsse genau hinsehen, in welche Länder man mit welchen Gewichtungen über welche Anlageprodukte und mit welchen Partnern investieren möchte. Auch die Frage, wie man mit Währungsrisiken umgehen soll, beschäftigt Anleger regelmäßig.